Pomeranian oder Pavian? - BSD beim deutschen Spitz

01.08.2019 | verfasst von Ines

Hunde die von BSD betroffen sind, verlieren stellenweise ihr Fell. Der Rest des Fells ist in der Regel sehr pflegeintensiv, die Haut sehr trocken und schwarz gefärbt. Trotz zahlreicher Forschungen und immer mehr erkrankten Tieren, gibt es bemerkenswert wenig Infos zu dieser Krankheit. Genau das soll dieser Artikel ändern! Dieser Beitrag soll Betroffenen, möglicherweise Betroffenen oder auch Rasseliebhabern das Thema BSD näher bringen, sie aufklären und informieren. Ich bin selbst Besitzerin eines Zwergspitzes mit BSD, bewusst aufgenommen mit dieser Krankheit - nachdem ihn viele andere genau deshalb weggegeben hatten. Es kommt immer wieder vor, dass auch Tierärzte mit dieser Erkrankung keine Erfahrung haben, sie nicht mal erkennen. So stehen Betroffene immer wieder alleine vor dem großen Rätsel, wieso ihr einst so flauschiger Hund plötzlich immer kahler wird. Ich bin selbst nur Betroffene, keine Ärztin, keine Expertin, keine Züchterin. Alle Informationen aus diesem Artikel sind selbst zusammengetragen, recherchiert und mit anderen Betroffenen gemeinsam erarbeitet. Es sind Beobachtungen, Gespräche mit anderen Betroffenen und jede Menge Recherche die in diesem Artikel stecken, der mir persönlich sehr am Herzen liegt. Viele Hunde mit BSD leiden sehr darunter, wie die Menschen – ihre Besitzer – damit umgehen. Sie werden versteckt, sie werden abgeschoben, verleugnet oder eingeschläfert. Das muss aber nicht sein, denn eines vorweg genommen – es gibt so viel Schlimmeres als BSD!

Was bedeutet BSD?

Hunde die von BSD betroffen sind, verlieren stellenweise ihr Fell und die Haut verdunkelt sich in vielen Fällen, daher die englische Bezeichnung BSD = Black Skin Disease. Die medizinisch korrekte Bezeichnung ist allerdings Alopezie X. Alopezie bedeutet dabei nichts anderes als Haarausfall und das X bedeutet, dass die Ursache des Haarausfalls unbekannt ist. Beide Begriffe bezeichnen also dasselbe Krankheitsbild.

Welche Hunde sind betroffen?

BSD betrifft typischerweise nordische Hunderassen, Spitze und Pudel. Die meisten dieser Hunde kennzeichnet ein doppeltes Haarkleid, bestehend aus glattem und glänzenden Deckhaar und dicker Unterwolle. Dieser Artikel beschäftigt sich mit Alopezie beim Deutschen Spitz. Innerhalb der Familie des Spitzes sind besonders der Zwergspitz, aber auch der Wolfsspitz, betroffen.

Was genau ist BSD?

Wie bereits erwähnt handelt es sich bei Alopezie X um eine Art von Haarausfall. Die betroffenen Hunde verlieren das Fell am Rumpf, Po und Hals – an Kopf und Pfoten bleibt das Fell (in der Regel) erhalten. Die Haut wird häufig lederartig und verfärbt sich dunkel. Oftmals wirkt sie trocken und schuppig und betroffene Tiere leiden an Juckreiz bei mangelnder Pflege.

Typischerweise tauchen die ersten kahlen Stellen zwischen 9 Monaten und 2 Jahren auf und vergrößern sich. Es gibt jedoch genauso Fälle, wo betroffene Hunde ihr Fell erst viel später verlieren. Eben das macht diese Krankheit so problematisch für die Rasse. Zu dem Zeitpunkt, an dem die ersten kahlen Stellen auftauchen, kann der Hund bereits mehrfach in der Zucht eingesetzt worden sein!

Kann BSD jeden Hund treffen?

Auch wenn Alopezia X in praktisch jedem Alter auftreten kann, gibt es durchaus auch „Anzeichen“ bei den betroffenen Hunden.

Allgemein betrifft es vor allem Hunde mit besonders viel Fell, besonders dichter Unterwolle – kurz gesagt: die besonders plüschigen Hunde sind auch die, die am häufigsten betroffen sind. Das heißt natürlich nicht, dass alle Hunde mit viel Fell BSD haben!

Vorweg: Pomeranian und Zwergspitz sind zwei Bezeichnungen für ein und dieselbe Hunderasse. Im Laufe der letzten Jahrzehnte hat sich ausgehend von Amerika ein neuer „Trend“ bei der Zucht von Zwergspitzen eingebürgert. Statt dem ursprünglichen fuchsähnlichem Aussehen, mit klar abgesetzten dreieckigen Ohren und doppeltem Haarkleid aus Unterwolle und Deckhaar - sind heute Teddybär Gesichter mit starkem Fellwuchs, sehr kurzen Ohren und kurzen Schnauzen gefragt.

Dieses Zuchtziel geht aber auch mit gesundheitlichen Folgen einher. Die Poms aus diesen Zuchtlinien haben zwar das allgemein begehrte Aussehen, nur leider sind genau diese optisch „perfekten“ Hunde sehr häufig von BSD betroffen.

Heißt das jetzt, dass jeder Teddy-Pom auch BSD hat? Nein, es gibt mittlerweile sehr viele Hunde von diesem Typ und bei weitem nicht alle sind betroffen! Es gibt lediglich einen Zusammenhang zwischen der optischen Erscheinung des Hundes und der Häufigkeit von BSD. Trotz mittlerweile mehr als 60 BSD Poms die ich gesehen habe, ist mir zumindest noch kein einziger Fuchstyp mit schlanken Beinen und Pfötchen untergekommen. Es dürfte wohl typischerweise den Typ Zwergspitz treffen, der besonders nach Teddybär aussieht.

Wie verläuft BSD?

Vorweg muss man leider sagen, dass es keinen typischen Verlauf von BSD gibt. Beinahe jeder Hund hat einen anderen Krankheitsverlauf. Viele von Ihnen haben aber Gemeinsamkeiten. Man unterscheidet erstmals die Hunde, die bis zum 2. Lebensjahr die ersten Anzeichen zeigen und die Hunde, bei denen es erst deutlich später auftritt.

Der „Klassiker“ ist sicher der erste Fall. Das Dilemma beginnt in der Regel mit einem besonders flauschigen Welpen. Die haben oft so viel Fell, dass man Gesicht und Beine kaum mehr sehen kann. Meistens sorgen genau die für besonders viel Begeisterung. Jeder Zwergspitzwelpe ist flauschig und plüschig, aber manche eben doch einfach BESONDERS.

Zwischen 4 und 6 Monaten haart der Spitz um. Dabei verliert er sein wattiges Welpenfell. Das Welpenfell ist meist etwas blasser als die eigentliche Farbe des Hundes. In der Zeit des Umhaarens bekommt der Hund ein „Äffchengesicht“ und verliert Haare – wirklich viele. In diesem „uglyage“ sieht der Spitz nach viel aus – aber nicht nach einem Spitz! Die meisten sind kaum widerzuerkennen, für manchen Spitzhalter eine echte Bewährungsprobe – da muss man die inneren Werte lieben lernen!
Und genau in dieser Zeit zeigt sich schon der erste Unterschied vom gesunden Hund zum Kranken. BSD Hunde haaren in dieser Zeit nicht um. Sie verlieren kaum Fell, sie bekommen aber auch kein neues gesundes Fell nach. Die Halter berichten vielfach von sehr trockenem Fell, Schuppen und extrem pflegeintensiven Fell. Es lässt sich unheimlich schwer kämmen, sieht wenige Stunden nach der Pflege schon wieder ungepflegt aus. Obwohl ständig gekämmt wird, kann man keine Wolle auskämmen.

Viele Züchter erzählen den Käufern gerne, dass ihr Hund einfach später umhaart, doch erfahrungsgemäß ist das leider nicht so. Es handelt sich wohl vielmehr um ein Märchen, das Züchter den Käufern auftischen, während sie längst sehen, dass sich der Hund nicht gesund entwickelt.

Es sollte sich also jeder Spitzbesitzer über sein hässliches Entlein freuen, denn das ist ein gutes Zeichen – dieser wird später ein wunderschöner Schwan äääähm Spitz werden!

Im Alter von 8-12 Monaten entwickelt ein gesunder Spitz ein doppeltes Haarkleid, bestehend aus glänzendem und kräftig gefärbtem Deckhaar und wattiger leichter Unterwolle, die meist heller gefärbt ist als der Rest.
Der BSD Hund hingegen entwickelt nur dürftig neues Fell, hauptsächlich besteht er aus Unterwolle, typisch erkennbar an der Farbe. Am Kopf erkennt man die Farbe, die das Fell eigentlich haben sollte. Bei BSD Hunden sieht man daher fast immer einen sehr kräftig gefärbten Kopf, während der Rest farblos und stumpf wirkt.

Zwischen 12 und 24 Monaten wechselt der Spitz in der Regel noch einmal das Fell (mitunter sehr stark), bis er dann zu seinem endgültigem Fellkleid kommt, dass sich bis zum 3ten Lebensjahr entwickelt.
In dieser Zeit weisen viele BSD Hunde bereits ihre ersten kahlen Stellen auf. Häufig beginnt es rund um das Poloch oder am Bauch. Zuerst kleine Stellen, die auch Zufall sein könnten, bis sie stetig wachsen und wachsen.

Fängt der Fellverlust erstmal an, ist jeder Verlauf anders. Manche Hunde verlieren nur an wenigen kleinen Stellen ihr Fell, andere überall. Andere haaren mal auf und mal ab. Jeder Hund ist anders! Eines haben aber alle gemeinsam – das Fell ist sehr schwer zu pflegen, es verfilzt schnell, es wirkt watteartig, verklebt, trocken und glanzlos.

Wie ihr seht hat BSD viele Gesichter und Facetten. Jeder Hund ist anders und jedes Fell ist anders. Auf manche Hunde wird alles zutreffen das hier aufgezählt ist, auf andere nur ein Teil. Weil Bilder einfach mehr sagen als tausend Worte, möchte ich hier einen Verlauf in Bildern darstellen.

DEX geb. 2015 in Russland
Dex ist ein lebensfroher Zwergspitz der von BSD betroffen ist. Seine Ahnen kommen aus den USA und Russland. Ich begleite Dex seit er ein Welpe ist. Sein Frauchen und ich haben unsere Welpen gleichzeitig bekommen und stehen seitdem in Kontakt. Somit hab ich bei Dex alle Höhen und Tiefen dieser Krankheit miterlebt, gehofft und gebangt, dass er es doch nicht bekommt. Dabei habe ich so vieles gelernt und den Mut geschöpft, selbst einen an BSD erkrankten Hund bei mir aufzunehmen! Mein kleiner Olaf ziert das Titelbild dieses Beitrags und ist mein ganzer kahler Stolz!

ELSA geb. 2015 in Österreich
Elsa ist meine Zwergspitzhündin, ihre Ahnen sind ausschließlich deutschen Ursprungs. Elsa ist ein sehr ursprünglicher Spitz und ein ganz anderer Typ als Dex. Sie hat eine lange Schnauze und grundsätzlich eher weniger Fell, dafür aber sehr weiches und seidiges. Auch wenn beide Hunde unterschiedliche Typen sind, sind sie beide dieselbe Rasse, unterliegen dem gleichen Standard und beide Typen sollten ein doppeltes Haarkleid aufweisen.

Ebenfalls wird vielfach behauptet, dass das Fell bei den „Teddys“ anders aussieht. Es gibt jedoch auch Teddys mit ausgesprochen schönem doppeltem Haarkleid – sie haben dann eben einfach mehr Fell.

Welpenzeit

DEX, 11-12 Wochen
Dex war ein ausgesprochen plüschiger Welpe mit besonders dicker Wolle.
Elsa, 11 Wochen
Elsa im selben Alter hatte sichtbar weniger Fell, das auch leichter und luftiger war.
DEX, 6 Monate
Trotz seines Alters hat Dex kaum Fell verloren. Nur im Gesicht ist die Äffchenphase bei ihm sichtbar. Während Pfoten und Gesicht schön orange gefärbt sind, ist der Körper farblos - Man sieht kein Deckhaar.
ELSA, 6 Monate
Elsa hat zu diesem Zeitpunkt den größten Teil ihres Welpenfells abgeworfen. Man sieht auch schon, wie sich die ersten glänzenden Deckhaare bilden. Das Fell ist sehr kurz, man sieht jedoch bereits am Rücken die ersten längeren Haare des endgültigen Spitzfells.

Junghund 7 bis 12 Monate

Elsas Fell hat sich in der Junghundzeit enorm verändert. Das Fell ist stark gewachsen, glänzendes schwarzes Deckhaar hat sich gebildet und auch neue Unterwolle. Sie durchlief dabei verschiedene Phasen, hat sich beinahe täglich verändert.

Dex hingegen hat sich kaum verändert. Das Fell blieb immer gleich, er hat auch weiterhin kaum Fell verloren. Das Fell ist immer noch genauso dick und wattig wie es mit 12 Wochen war - lediglich das Gesicht hat sich verändert. Typisch ist auch hier der kräftig gefärbte Kopf und der farblose Rumpf. Trotz des fortgeschrittenen Alters, sieht man bei Dex immer noch kaum Deckhaar.

Junger Erwachsener

Erst nach seinem ersten Geburtstag entwickelte Dex langsam ein typisches Fell. Die ersten Deckhaare sind gewachsen und seine eigentliche Farbe kam zum Vorschein. Er war endlich gleichmäßig orange gefärbt! Er hatte immer noch sehr stark ausgeprägte Unterwolle, jedoch mit gesundem Deckhaar, das Fell wirkte normal entwickelt.

Erwachsenen Alter

Knapp 2 Jahre
Dex entwickelt die ersten kahlen Stellen am Bauch, die sich schrittweise vergrößern.
2 Jahre und 2 Monate
Nun zeigen sich die ersten kahlen Stellen auch am Hintern und den hinteren Beinen. Die Haut beginnt sich schon typisch schwarz zu verfärben.
3 Jahre
Mittlerweile ziehen sich die kahlen Stellen am Bauch über die Flanken nach oben und auch die Seiten werden sukzessive haarlos.
DEX, 3,5 Jahren
Mit über 3 Jahren ist Dex mittlerweile am Rumpf und Po fast vollständig haarlos. Seine Haut ist typisch dunkel gefärbt. Auch die vormals typische Mähne ist stark ausgedünnt. Die Rute ist nur wenig behaart.
ELSA, 3,5 Jahren
Elsa hat in diesem Alter ihr Haarkleid vollständig entwickelt. Rute, Hintern und Mähne sind stark behaart. Die Unterwolle wird von kräftig gefärbtem schwarzem Deckhaar abgedeckt. Ihr Fell ist typvoll und gesund entwickelt.

Woher kommt BSD?

Abschließend stellt sich natürlich die Frage woher kommt Alopezie X überhaupt und wie kann man es diagnostizieren?

Leider gibt es für beide Fragen keine befriedigende Antwort. Es gibt noch keinen Test oder keine Untersuchung um Alopezie X feststellen zu lassen. Alopezie X ist eine Ausschlussdiagnose. Das bedeutet, wenn alle Untersuchungen keine Ergebnisse liefern, lautet die Diagnose Alopezie X – Ursache unbekannt.

Die Diagnose:

Der erste und wichtigste Test zur Diagnostik von BSD ist eine Blutabnahme. Dabei können verschiedenste organische Probleme erkannt werden. So kann auch eine Schilddrüsendysfunktion zu Haarausfall und trockener, schuppiger Haut führen.
Problematisch ist aber, dass Zwergspitze offenbar häufig zu Schilddrüsenunterfunktionen neigen. So ist es oft schwierig zu erkennen, ob der Haarausfall damit zusammenhängt, oder andere Ursachen hat. Vielfach werden Hunde vorschnell hochdosiert medikamentös behandelt, obwohl es gar nicht notwendig wäre. Durch die Gabe der Medikamente wächst häufig das Fell zeitweise wieder nach, was für viele Besitzer auch ein Grund ist, dankbar zu Medikamenten zu greifen.
Welche negativen Auswirkungen es dadurch auf den übrigen Körper geben kann, ist schwer abzuschätzen. Eine Dysfunktion der Schilddrüse sollte möglichst exakt und mehrfach untersucht werden, um mögliche Fehldiagnosen ausschließen zu können.

Sehr oft wird auch Cushing als mögliche Diagnose getestet, denn auch Cushing führt häufig zu Haarverlust. Zu diesem Thema verweise ich aber auf einen grandiosen Artikel von Herrn Dr. Rückert.

Als nächstes wendet sich der Tierarzt in aller Regel der intensiven Untersuchung der Haut zu. Milben und andere Parasiten sind immer wieder die Ursache für Haarverlust. Eine Probe die aus der Haut entnommen wird, kann dazu vielfach wichtige Rückschlüsse liefern.

Eine Urinuntersuchung gehört ebenfalls zum Standard Prozedere um z.B. eine Nierenerkrankung ausschließen können.

... und dann kommt der Moment, an dem viele Tierärzte und Halter ratlos sind ...

Alle Ergebnisse ohne Befund! Ein vermeintlich komplett gesunder Hund, dem das Fell großflächig ausfällt.

Viele Hundehalter und leider auch sehr viele Tierärzte sind weder mit dem Verlauf noch mit dem Erscheinungsbild von BSD vertraut. Es handelt sich immer noch um eine relativ unbekannte Erkrankung. Die sehr oft nicht erkannt wird oder falsch diagnostiziert wird.

Die Ursachen:

Natürlich kommt die Frage auf, woher diese Krankheit überhaupt kommt. Hier möchte ich besonders darauf hinweisen, dass es KEINE wissenschaftlich belegte Ursache/Auslöser gibt. Alles was hier zu finden ist, sind Vermutungen, Beobachtungen und EIGENE Recherche! Dies soll bitte NICHT als wissenschaftlich fundierte Quelle angesehen werden.

Es soll eher den Betroffenen als Leitfaden dienen, die sich immer wieder fragen – Woher?

Die erste Vermutung ist natürlich eine genetische Veranlagung. Bei Alopezie X handelt es sich demnach um einen genetischen Defekt, der durch Vererbung an die Nachkommen weitergegeben wird.
Ich persönliche halte diese Theorie für die Wahrscheinlichste. Warum? – Beinahe alle betroffenen Tiere, die ich bereits kennengelernt habe, teilen ähnliche Ahnen. Man sieht häufig dieselben Linien, immer wieder die gleichen Kennels, teilweise auch die gleichen Hunde in den Ahnentafeln. All diese Linien haben gemeinsam, dass sie zumeist russischen oder amerikanischen Ursprungs sind. Die großen Kennels dort sind bekannt dafür, mittels Linienzucht den Rassetypus optimiert zu haben – zum perfekten Teddybären.
Vermutlich ist BSD die Folge dieser Zuchtbestrebungen. Das soll bitte nicht bedeuten, dass diese Linien per se nicht gesund sind, es ist einfach eine Auffälligkeit. Hier gilt wie überall sonst auch, die Welt ist nicht schwarz und weiß, es handelt sich nur um eine persönliche BEOBACHTUNG und es gibt auch in diesem Bereich und in diesen Ländern durchaus verantwortungsvolle Züchter.

In diesem Zusammenhang möchte ich auf die Forschung der Universität Bern verweisen, die seit vielen Jahren bestrebt ist, eine genetische Ursache zu erforschen. Hierzu benötigen sie auch immer Proben von betroffenen Hunden. Hier ist die Mithilfe von jedem Einzelnen gefragt, denn nur durch Forschung kann endlich erreicht werden, dass diese Krankheit erkannt und schlussendlich vielleicht auch behandelt werden kann!

Die logische Konsequenz für mich wäre, in der Zucht auf Tiere zu verzichten, die betroffene Ahnen haben. Leider ist dies keine gängige Praxis. Im Gegenteil – häufig wird die Tatsache, dass die Tiere krank sind vertuscht und weiterhin gezüchtet – am Papier sieht ja keiner, dass der Hund nackt ist, Fotos macht man nur von vorne ...

Auch eine hormonelle Störung/Dysfunktion wird häufig als Ursache angesehen. Das ist durchaus möglich, da betroffene Tiere auf hormonelle Therapien häufig sehr gut ansprechen. So bringt eine Kastration häufig kurzfristig eine Fellverbesserung. In vielen Ländern ist es auch üblich betroffene Tiere mit Melatonin zu behandeln, um sie weiterhin in der Zucht einsetzen zu können. Doch auch ein hormonell behandelter Pomeranian zeigt immer noch deutliche Krankheitsmerkmale. So sind diese Hunde in der Regel farblos, außer am Kopf, da sie kein typisches Deckhaar entwickeln, sondern nur wuchernde Unterwolle. Die Hunde sind zwar vollständig behaart, aber das Fell ist stumpf, glanzlos und von schlechter Qualität, der Körper ist hell, der Kopf farbig.

Daneben gibt es zahlreiche andere Theorien wie einen Hefepilz als Ursache oder falsche Ernährung und mangelnde Pflege. Diese Dinge gehen oft damit einher, für mich persönlich sind sie aber eher eine Begleiterscheinung als eine Ursache. Ein gesunder Zwergspitz entwickelt auch kein BSD, wenn er nicht ausreichend gebadet oder gekämmt wird! Ein gesunder Hund muss gar nicht erst gebadet werden! Vielen Haltern wird erzählt, dass sie selbst schuld wären an den Problemen mit Fell und Haut, weil sie den Hund nicht genug pflegen würden. Oder auch, dass der Hund sein Fell verliert, weil er ab und an einen Mantel trägt – LASST EUCH NICHT VERARSCHEN! Ein gesunder Pom ist nicht schwer zu pflegen, es ist im Gegenteil sogar eine sehr pflegeleichte Rasse. Kein Hund bekommt BSD, weil er Kleidung trägt oder weil er mal 10 Tage nicht gekämmt wurde.

Klar ist jedenfalls, dies sind nur Vermutungen – Wissen tun wir über die tatsächliche Ursache nichts!

Wie kann man es behandeln?

Es gibt keine Heilung von Alopezie X, es gibt keine „Wunderwaffe“.

Aber es gibt wirklich viele Hilfsmittel, Unterstützungen und Methoden, die den Zustand zumindest zeitweise enorm verbessern können!

ACHTUNG PRODUKTPLAZIERUNGEN - KOSTENLOSE WERBUNG

Ernährung: Was bei jedem Hund gilt, gilt bei einem BSD Hund besonders. Mit der richtigen Ernährung und passenden Nahrungsergänzungsmitteln lässt sich der Zustand deutlich verbessern. Über Zusätze im Futter lassen sich gute Erfolge erzielen. Besonders empfehlen kann ich hierfür die Vitalpilze „Fell-Fein“ von Naturpilze. Zudem gilt es den Hund mit ausreichend Biotin zu versorgen und auch eine Bierhefe Kur ist empfehlenswert. Hochwertige Öle wie Nachtkerzen und Leinöl unterstützen ebenso.

Pflege: Der betroffene Hund sollte ebenso regelmäßig gebadet werden um die Haut weich zu halten, die häufig sehr hart und schuppig wird. Das verursacht beim Hund meist starken Juckreiz. Ich persönlich bade einmal in der Woche mit der Seife von Dermacton. Zudem wird mein Hund auch zweimal in der Woche mit der Lotion der gleichen Marke eingecremt. Dadurch bleibt seine Haut verhältnismäßig weich und rosa. Viele Besitzer neigen dazu vor dem schwierigen Fell zu kapitulieren. Sie pflegen es nicht ausreichend und es verfilzt. Dadurch leidet der Hund noch mehr! Ein BSD Hund muss regelmäßig gepflegt, gebadet und gebürstet werden– auch wenn die Wirkung nur bescheiden ist.

Durch die Behandlung mit der Dermacton Lotion erreichen viele Pomeranian Besitzer bemerkenswerte Erfolge. Die Haut wird wieder rosa und das Fell wächst wieder! Häufig fällt es jedoch nach einigen Monaten wieder aus. Trotzdem würde ich es jedem Betroffenen ans Herz legen es zumindest zu versuchen. Bei meinem Hund hat es nur bescheidene Erfolge erzielt, aber seine Haut ist dadurch sehr schön geworden, daher verwende ich es weiter.

Derzeit teste ich das Produkt von Dermagic, das in ähnlicher Kombination aus Creme und Seife funktioniert wie Dermacton. Hier zeigen sich viele Besitzer besonders aus Amerika durchwegs begeistert über die Erfolge damit! Da wir es erst sehr kurz nutzen, können wir keine persönlichen Erfahrungen teilen aber es wird jedenfalls sehr gut vertragen.

Was soll man nicht machen?

Ein Minimum an Pflege ist Pflicht, da sich der Zustand vom Hund sonst verschlechtern kann.
Ein Hund sollte nicht nur deshalb kastriert werden, damit das Fell wieder wächst. Eine Kastration bringt immer gesundheitliche Konsequenzen mit sich und sollte nur aus gesundheitlichen Gründen vorgenommen werden! Auch von einer unnötigen Behandlung mit Medikamenten, Hormonen oder Ähnlichem aus optischen Gründen würde ich abraten, auch hier kann keiner abschätzen, welche langfristigen Auswirkungen es geben kann.

Fazit

Vielen Dank an alle, die sich die Mühe gemacht haben und bis zum Ende gelesen haben!

Ich möchte abschließend festhalten, dass dieser Beitrag das Ergebnis eigener Recherche ist. Ich hab vor einem dreiviertel Jahr einen BSD Hund adoptiert und war erstaunt wie wenig Infos es im Netz gibt. Was ich weiß und was ich gelernt habe, habe ich durch den Austausch mit Betroffenen und eigenen Erfahrungen gelernt. Das ist auch dieser Artikel – eine Zusammenfassung meiner eigenen Erfahrungen und Beobachtungen. Es soll Betroffenen helfen mehr zu verstehen und den Leuten Informationen bieten, die vielleicht betroffen sein könnten oder die diese Erkrankung nicht kennen.

Als ich für diesen Artikel bei betroffenen Hundebesitzern nach Fotos gefragt habe, war niemand bereit mir welche zur Verfügung zu stellen. BSD Poms werden immer noch versteckt und verheimlicht. Viele Besitzer werden von Züchtern bedroht, belogen und unter Druck gesetzt. Sie verheimlichen die Erkrankung ihrer Tiere aus Furcht vor Konsequenzen. Viele von Ihnen wurden beschuldigt ihre Hunde falsch zu pflegen, manchen wurde erzählt BSD gibt es gar nicht, wieder anderen wurde monatelang vorgemacht ihre Hunde würden das Fell erst „später“ wechseln. So viele sind betrogen und belogen worden und alle schweigen, aus Furcht vor einem Shitstorm, aus Scham über die eigene Unwissenheit – ich weiß es nicht. Daher finden sich in diesem Artikel auch nur sehr wenige Fotos von betroffenen Tieren.

Auch diese Furcht und Stigmatisierung ist der Grund für diesen Blogbeitrag. Ich will dieses Thema nicht länger unter den Tisch kehren und verheimlichen! Mein Pavian-Pom ist genauso wertvoll, wunderschön und toll wie jeder Gesunde auch!

Weiterführende Tags: BSDPomeranianHundZwergspitzKrankheitHaustierAlopezie X